Das Meisterwerk der ungefähr für zwei Jahre größten Band der Galaxis. Mit Urgenialität vertonter Größenwahn, die Wiedererweckung des Britpop, in Noten gegossenes Manchester-Proletariat, dicke Hose statt viel Hirn: Oasis – bzw. die herzigen Gallagher-Brüder mit Anhang – zeigten der Welt worum es bei Rock und Pop wirklich geht. Und rotzten auf „Morning Glory“ eine unwiderstehliche Song-Perle nach der anderen raus.

Dabei machten sie über 30 Jahre britische Musikgeschichte (mit deutlicher Gewichtung auf die Sixties) zu ihrem Eigentum und brachten diese scheppernd-krachend auf den Punkt.

Es paarten sich in alkoholgeschwängertem angeberisch-sexuellem Gebaren hymnenhafte Melodien mit perfekt-schlampig gespielten, rauen Gitarrenriffs – wunderbar eingebettet in eine ungeheuer selbstbewusste Lässigkeit. Schöngeister und Musikästheten mussten unter Androhung von Prügel draußen bleiben (was übrigens bis zum heutigen Tage gilt).

Da stört es auch überhaupt nicht, wenn in Ermangelung einer dritten Strophe einfach die erste wiederholt wird („Wonderwall“) oder simple Akkordstrukturen auf „repeat“ zu stehen scheinen („Champagne Supernova“). Großer Pop darf das, während er ganz nebenbei die Ungläubigen zerschmettert und Nachahmer wie The Libertines, Razorlight und Co. ihrer Jämmerlichkeit preisgibt.

Kurz gesagt (auch wenn es der ein oder andere nicht wahrhaben will bzw. einfach nicht begreift): Eines der besten Alben der 90er und absolut essentiell.

SM